Handlungsfelder lokalisieren, Lösungsansätze entwickeln, Kreislaufwirtschaft durch mehr Reuse & Recycling fördern: Hierzu trafen sich rund 140 Fachleute am 12. März 2026 beim FachDialog Rückbau & Sanierung des Abbruchverband Nord e. V. in Berlin.
Teils kontrovers, hoch engagiert und stets authentisch tauschten Expertinnen und Experten aus Recht, Finanzwirtschaft, Politik, Verwaltung, Gutachterwesen, Architektur und innovativen Start-ups mit den Mitgliedern des Abbruchverband Nord ihre Positionen beim diesjährigen FachDialog Rückbau & Sanierung aus.
Acht Impulsvorträge lieferten die Grundlage für die beiden thematisch fokussierten FachDialoge mit anschließenden Podiumsdiskussionen.
FachDialog Grenzwerte & Materialkreisläufe
Unter der Leitfrage „Grenzwerte – Bremser und Kostentreiber bei Materialkreisläufen?“ diskutierten die Teilnehmenden die Rolle von Grenzwerten und damit einhergehende Herausforderungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Dipl.-Geol. Christof Wüllner (IB Wüllner GmbH), Dipl.-Ing. Martin Wesselmann (AGÖF) und Thomas Fischer (QUBA) beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven: ökologisch, ökonomisch und regulatorisch. In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Ralf Pietsch (Abbruchverband Nord e.V.), wurden die Positionen vertieft und kontrovers diskutiert.
Kernpunkte: Zunehmend bessere Analysemethoden können und dürfen die Grenzwerte für Gefahrstoffe nicht parallel stetig verschärfen. Zudem fehlen zunehmend qualifizierte Fachleute für Gutachten, Bewertungen und Freigaben von Baukörpern und Materialien aus/im Rückbau. Orientierung für eine Grenze könnten geogene Gefahrstoffbelastungen sein.Dies bestätigte eine spontane Befragung der anwesenden Fachleute:

FachDialog Zirkuläres Bauen
Der zweite FachDialog stand unter der Fragestellung: „Zirkularitätsindex, Rechtssicherheit, Kosten – Bermudadreieck für nachhaltiges Bauen?“. Impulsgeber:innen waren RA Gregor Franßen (FRANSSEN NUSSER), RAin Dr. Marthe-Louise Fehse (FRANSSEN NUSSER), Michelle Pigulla (Berlin Hyp), Dr. Patrick Bergmann (Madaster), Prof. Patrick Teuffel (CIRCULAR STRUCTURAL DESIGN) sowie Caroline Braus (Concular GmbH).
Verschiedene Handlungsfelder zeigten, Licht und Schatten liegen auch hier oft dicht beieinander. Insbesondere eine Abfalleigenschaft sowie ein Verlust der bauaufsichtlichen Zulassung (Verwendbarkeitsnachweis) sind weiterhin ein Risiko für den rechtssicheren Reuse von Bauprodukten. Lösungsansatz: Planung der Anschlussnutzung bereits vor dem Ausbau, der wiederum funktionserhaltend erfolgen muss, wie etwa in der DIN SPEC 91484 (kurz: „Pre-demolition-audit“) vorgesehen.
Die Banken wollen – u.a. auch aufgrund von Taxonomie-Anforderungen – nachhaltiges Planen und Bauen in ihren Bewertungen berücksichtigen und so fördern, z.B. bei Finanzierungskonditionen. Die dafür notwendige Einigung auf geeignete Bewertungsparameter ist indes noch im Fluss. Und: Banken betrachten dabei meist nur die Finanzierungsdauer von 7-10 Jahren, was deutlich vom gängigen Betrachtungszeitraum über 50 Jahre für Lebenszyklusanalysen für Bauwerke abweicht.
Ein Projekt zum Einsatz von Wänden etc. aus dem Rückbau, geschnitten zu Betonplatten zum „Schallschutz“ war doppelt spannend: Denn dies ist eine hochwertige Anschlussnutzung im Zuge der ebenfalls vorgestellten DIN SPEC 91 525 („Anschlussnutzungskonzept“), die sowohl der vollständigen Zirkularität des Materials dient als auch der Reduktion des CO₂-Footprints. Dass dieses Projekt letztendlich an der zeitlichen Koordination zwischen Spenderobjekt und Empfängerobjekt scheiterte, steht seinem Potenzial für Kreislaufwirtschaft und Minimierung des carbon footprint nicht entgegen. Denn ein solches (Logistik-) Hindernis dürfte lösbar sein, wenn mehr Spender- und Empfänger-Objekte für diese Art der Anschlussnutzung verfügbar sind und geeignete digitale Planungstools zum Einsatz kommen.
Dialog als Schlüssel zur Transformation
Beide FachDialoge sowie der anschließende Netzwerkabend zeigten einmal mehr, wie wichtig der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren ist. Das wechselseitige Verständnis für die Interessen und Abläufe der verschiedenen Akteure am Bau kann so Lücken schließen und Lösungen fördern. Dabei leisten die Mitgliedsunternehmen des Abbruchverband Nord e.V. mit ihrer Expertise in Gefahrstoffsanierung, Rückbau, ReUse und Recycling einen entscheidenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Denn zirkuläres Bauen funktioniert nur gemeinsam.
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